ChatGPT DSGVO-konform nutzen: was wirklich hilft

Kein Upload. Kein Server. Die Daten verlassen Ihr Gerät nicht.

Zu dieser Frage gibt es viele Ratgeber, und die meisten enden bei denselben drei Empfehlungen: Geschäftstarif buchen, Training abschalten, Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen. Alle drei sind richtig. Sie schließen aber alle dieselbe Lücke nicht — und um die geht es hier.

Was die üblichen Maßnahmen leisten

Der Reihe nach, weil jede der drei Maßnahmen etwas anderes regelt:

MaßnahmeRegeltRegelt nicht
Geschäfts- oder Enterprise-Tarif Trainingsnutzung standardmäßig aus, vertragliche Zusagen, Administrationsrechte Dass der Inhalt übermittelt und verarbeitet wird
Training abschalten Keine Aufnahme in künftige Modellversionen Übermittlung, Verarbeitung, befristete Vorhaltung zur Missbrauchsprüfung
Auftragsverarbeitungsvertrag Zulässigkeit und Bedingungen der Verarbeitung im Auftrag Ihre Verantwortlichkeit — die bleibt bei Ihnen
Die gemeinsame Leerstelle: Alle drei setzen voraus, dass die Daten übermittelt werden, und regeln lediglich die Bedingungen. Keine davon beantwortet die vorgelagerte Frage, ob die personenbezogenen Angaben überhaupt mitgeschickt werden müssen.

Die Frage vor der Rechtsgrundlage

Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO verlangt Datenminimierung: Verarbeitet werden soll nur, was für den Zweck erforderlich ist. Dieser Grundsatz gilt zusätzlich zur Rechtsgrundlage, nicht stattdessen — eine zulässige Verarbeitung darf trotzdem nicht mehr Daten umfassen als nötig.

Für die typischen Aufgaben, für die ein Sprachmodell im Berufsalltag eingesetzt wird, ist der Personenbezug fast nie erforderlich:

Was das Modell braucht, ist die Struktur: dass hier eine Person steht, dort eine Adresse, dort ein Betrag. Ob die Person „Maria Beispiel“ heißt oder [PERSON_1], ändert an der Aufgabe nichts.

Wie das praktisch aussieht

Der Text wird vor dem Absenden im Browser bereinigt: Personennamen, Organisationen, Adressen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, IBAN, Sozialversicherungsnummern, Aktenzahlen und weitere Kennzahlen werden durch durchnummerierte Platzhalter ersetzt. Die Zuordnung bleibt ausschließlich auf Ihrem Gerät.

Anschließend geht nur der bereinigte Text an den KI-Dienst — ob Sie ihn dort selbst einfügen oder direkt aus der Anwendung senden, macht für den Inhalt keinen Unterschied. Die Antwort fügen Sie zurück ein, und die Platzhalter werden wieder durch die Originalwerte ersetzt. Für den Anbieter war zu keinem Zeitpunkt erkennbar, um wen es geht.

Der Ablauf ist auf der Seite Daten anonymisieren vor der KI-Nutzung Schritt für Schritt beschrieben.

Was das nicht ersetzt

Zwei Einschränkungen, die deutlich gesagt gehören:

Erstens ist Pseudonymisierung keine Anonymisierung. Pseudonymisierte Daten bleiben nach Erwägungsgrund 26 der DSGVO personenbezogene Daten, weil die Zuordnung existiert — sie liegt hier zwar nur auf Ihrem Gerät, aber sie existiert. Was sich ändert, ist das Risiko auf Seiten des Empfängers, nicht die Einordnung der Verarbeitung insgesamt.

Zweitens ersetzt das Bereinigen des Textes nicht die organisatorischen Pflichten: Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten, interne KI-Richtlinie, gegebenenfalls Datenschutz-Folgenabschätzung. Es senkt das Risiko der einzelnen Übermittlung erheblich, hebt die Verarbeitung aber nicht aus dem Anwendungsbereich der DSGVO heraus.

Häufige Fragen

Ist ChatGPT grundsätzlich DSGVO-konform?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, weil nicht das Werkzeug konform ist oder nicht, sondern die konkrete Verarbeitung. Ein Geschäftstarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag und abgeschaltetem Training schafft eine tragfähige Grundlage für viele Anwendungsfälle. Er ändert aber nichts daran, dass der Anbieter die übermittelten Inhalte technisch verarbeitet — wer keine personenbezogenen Daten überträgt, braucht diese Grundlage für den Inhalt gar nicht erst.

Genügt es, das Training in den Einstellungen abzuschalten?

Das Abschalten verhindert, dass Ihre Eingaben in künftige Modellversionen einfließen, und ist deshalb sinnvoll. Es verhindert nicht die Übermittlung selbst: Der Text geht weiterhin an den Anbieter, wird dort verarbeitet und kann für einen begrenzten Zeitraum zur Missbrauchsprüfung vorgehalten werden. Die Übermittlung personenbezogener Daten bleibt damit eine Verarbeitung, die eine Rechtsgrundlage braucht.

Was ändert ein Auftragsverarbeitungsvertrag?

Ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO regelt, unter welchen Bedingungen der Anbieter die Daten in Ihrem Auftrag verarbeiten darf, und ist bei geschäftlicher Nutzung erforderlich. Er verlagert die Verantwortung aber nicht: Verantwortlicher bleiben Sie. Er macht die Übermittlung zulässig, nicht überflüssig.

Was bleibt zu tun, wenn Tarif und Vertrag stimmen?

Der Grundsatz der Datenminimierung nach Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO gilt unabhängig von der Rechtsgrundlage: Übermittelt werden soll nur, was für den Zweck erforderlich ist. Für die meisten Aufgaben — zusammenfassen, umformulieren, strukturieren — ist der echte Name der betroffenen Person nicht erforderlich. Genau diese Angaben lassen sich vor dem Absenden durch Platzhalter ersetzen.

Zu den Grenzen: Die Erkennung arbeitet mustergestützt und wird laufend gegen einen gelabelten Testkorpus gemessen. Sie kann ungewöhnlich geschriebene oder erst aus dem Zusammenhang erschließbare Angaben übersehen. Prüfen Sie das Ergebnis vor dem Versand an einen KI-Dienst immer selbst. Die Anwendung unterstützt datenschutzkonforme Abläufe, ersetzt aber keine Rechtsberatung.

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